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Cannibal Island |
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Seite 1 |
Die
Sonne brannte sengendheiß vom Himmel. Der Sand glühte auf meiner Haut.
Ich lag splitternackt auf meinem Bauch, die Beine ragten zur Hälfte in
das lauwarme Wasser der türkisfarbenen Lagune.
Wie ich hierher kam
?
Im Moment wusste
ich nichts mehr, mein Kopf war leer, nur mein Schädel brummte, wie nach
einem gehörigen Saufgelage. Meine Zunge lag trocken und pelzig wie ein
Fremdkörper in meinem Mund. Irgend etwas zwickte mich fortwährend in
mein linkes Bein, etwa in Höhe des Oberschenkels. Ich schlug danach,
bautz, hatte es mich auch in meinen Finger gebissen. Ich erhob mich mühsam
und schaute an mir herunter. Zwei vorwitzige Krabben versuchten
ungeschickt mich zu verspeisen. Gottseidank rutschten ihre Zangen immer
wieder an meiner Haut ab. Doch aus kleinen Kratzern quollen schon einige
Blutstropfen hervor, die die kleinen Biester immer angriffslustiger
machten. Ich schüttelte sie ab und versuchte auf und ab zu gehen, um
meine Blutzirkulation wieder in Gang zu bringen. Ich betrachtete mich noch
einmal, kein Zweifel, splitternackt, kein Fetzen Kleidung am Körper. Na
ja, es war sehr heiß, frieren brauchte ich nicht, und es war ja auch
sonst kein Mensch da. Ganz einsam, von Gott verlassen auf einer
menschenleeren Insel. Sie war doch hoffentlich leer. Ich nahm mal an, nun
ja, es sah aus wie man sich so die Südsee vorstellte.
Und in der Südsee,
auf einsamen Inseln, gab es ja wohl Eingeborene, und jeder Schriftsteller
schilderte in den buntesten Farben, was da Flora und Fauna hergaben.
Besonders eindringlich schilderten sie immer wieder die Eingeborenen
dieser Inseln, die, wenn man den Berichten glauben schenken konnte, sich
hauptsächlich mit der Jagd auf Schiffbrüchige beschäftigten und diese
dann, zum Essen einluden, Hauptgericht Schiffbrüchiger, gegrillt,
gesotten oder gekocht. Wie auch immer, wenn ich einer dieser Wilden wäre
und würde einem wie mir über den Weg laufen, und wäre zufällig
Kannibale, nun ja, ich muss gestehen, ich bin nicht besonders sportlich,
habe dummerweise ein paar Kilo Übergewicht, besonders am Bauch und in der
Taille, die Hüften sind auch etwas mit Speck versehen. Ich würde diesen
Burschen einfangen und der Göttin der Jagd für die Wohltat danken.
Ich hockte mich überwältigt
und verschreckt vor meiner wilden Phantasie erst einmal auf meine vier
Buchstaben und überlegte.
Dann schaute ich
mich um. Also, ich saß am Strand einer einsamen Insel, hinter mir eine grüne,
recht dichte Wand aus Bäumen, Büschen und Unterholz. Ein Bach brach sich
seinen Weg durch die grüne Wildnis. Das ist gut, verdursten werde ich
also nicht und verhungern? Nach meinen vorherigen Betrachtungen wohl auch
nicht so schnell. Vor mir, eine endlos erscheinende hellgrüne Wasserfläche,
ein paar Schaumkronen darauf und fern am Horizont ganz schwach zu
erkennen, wie an einer Perlenkette Inseln mit Palmen. Ich erhob mich
wieder, streifte die Sandkörner von Beinen und Hinterteil und schlich
mich in Richtung der grünen Wand.
Über dieser Wand
erhob sich im Hintergrund, wie ich erst jetzt aus dieser Perspektive sah,
ein zerklüfteter Bergkegel. Aus der Spitze quoll Rauch, offensichtlich
ein aktiver Vulkan. Der Himmel war bis auf ein paar Schäfchenwolken,
strahlend blau. Die Sonne hatte eine gewaltige Kraft. Jetzt merkte ich
auch, dass ich mir einen Sonnenbrand eingefangen hatte. Die Stellen, von
denen ich den Sand abgerieben hatte, Oberschenkel und Gesäß, fühlten
sich ziemlich verbrannt an, aber auch der Rücken und die Schultern hatten
einiges abbekommen. Da ich ja nackt war, musste ich mir Schatten suchen,
also versuchen, den Dschungel zu durchdringen. Ich hielt mich nahe dem
Bach und stiefelte vorsichtig, immer auf Wurzeln und Steine achtend
langsam leicht bergauf.
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