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Der Traum vom verlorenen Fergana

 

 

Der Träumer

Im flirrenden Licht lag das Tal von Fergana

Das wilde, das schöne, das stolze Fergana

Mein Auge schaute weit übers Tal von Fergana

Die Kuppeln, die Mauern, das Land von Fergana

Ich selbst lebte einst am Hof von Fergana

Die Sonne steht tief am Himmel und ihre Wärme tut meinem gebeugten, ausgemergelten Körper wohl. Endlich habe ich es geschafft, nur zwei oder drei Stunden Weges noch und ich bin wieder daheim.Daheim, dort unten im Tal von Fergana? Sieben Jahre ist es jetzt her, das und das Schicksal davon spülte. Davon spülte auf einer Woge des Hasses, des Blutes, des Todes. Wenige außer mir haben überlebt. Und ich habe mich oft gefragt, wieso gerade ich am Leben geblieben bin. Ich wäre gern mit tausend Qualen gestorben, wenn es das Leben meiner Liebsten bedeutet hätte.

Der Jüngling, der Träumer, das Licht von Fergana

Die Jahre die schwanden, das Glück es verging

Die Flucht aus dem schönen Fergana

Ich war damals gerade auf einer weitläufigen Reise und führte Verhandlungen mit mehreren unserer tributpflichtigen Fürsten, als mich die Nachricht erreichte. Ein getreuer Bote hatte als einer der letzten noch die Flucht aus Fergana geschafft und das grauenvolle berichtet. Bittere Tränen erfüllten mein Antlitz und auch heute noch, nach all den Jahren sind meine Augen nicht trocken.

Und heut liegt der Tod überm Tal von Fergana

Die Kuppeln, die Mauern, die Städte verweht

Als Leichentuch deckt der Sand heut Fergana

Das reiche, das schöne, das stolze Fergana

Der Feind überrollte mit Windeseile die Reiche und ich floh gramgebeugt mal hierhin, mal dorthin. Ein einstmals stolzer Aar, dem man die Flügel gestutzt hatte konnte nicht wehmütiger sein. Ich fasste mein Schwert und mit ein paar wenigen getreuen Gefährten meiner Gefolgschaft versetzten wir dem Feind Nadelstiche wo immer wir ihn fassen konnten. Aber es war, als wenn eine kleine Biene einen großen wilden Bären stach. Oftmals, wenn ich an den Feuern der Steppennomaden saß und ihren Geschichten lauschte, hörte ich einen singen von Fergana.

Kein Leben mehr drunt im Tal von Fergana

seit Blut dort den Boden gedüngt

Die Menschen an Feuern besingen Fergana

Die Mythen, die Lieder, den Traum von Fergana

Jetzt da auch der Feind einem anderen weichen mußte, lenkte die Sehnsucht meine Schritte wieder der Heimat zu. Still schaute ich über das Tal, sah den Wind mit dem Sand spielen, sah wie die Dattelpalmen sich ehrfurchtsvoll vor ihm neigten, und meine Augen sahen nichts.

Mit Sehnsucht im Blick und im Kopf nur die Trauer

gedenk ich der Zeiten zurück

als Stolz war in mir, und Liebe und Glück

dort drunt einst im Tal von Fergana

Mühsam erhob ich mich von meinem Teppich, nachdem ich ein stilles Gebet gesprochen hatte, und schlurfte hinunter ins Tal. Wenigstens sterben wollte ich dort unten in Fergana, wenn schon ein Leben mir dort nicht vergönnt war.

 

 

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