Der Grimm Simulator

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Hans hatte sich auf den Abend mit Linda gefreut, doch kurz bevor sie aufbrechen wollten, klingelte es. Er öffnete und die Kinnlade sank ihm herunter, Lindas Mutter stand vor der Tür und bedachte ihn mit ihrem falschen Lächeln. Sie beide verband eine herzliche gegenseitige Abneigung. Sie hatte ihm nie verziehen, das er der mittellose Emporkömmling, ihre über alles geliebte Tochter geheiratet hatte.

Er war zwar um den Schein zu wahren stellvertretender Direktor in ihrer Firma, hatte aber praktisch nichts zu melden. Sie wartete, das er sie pflichtschuldigst umarmte, dabei drückte sie ihm zwei angedeutete Küsse auf die Wange.

„Ich habe euch gesehen, gestern abend, du und die Tussi aus dem Lager, Arm in Arm. Was hast du eigentlich Linda vorgelogen?“ Flüsterte sie ihm ins Ohr.Ihre von Abneigung geprägte Miene verzog sich zu einem zuckersüßen Lächeln, als ihre Tochter in der Tür auftauchte.

„Was habt ihr denn miteinander zuflüstern?“ Lachte Linda, als sie die beiden sah.

„Dein lieber Mann hat mich gerade eingeladen, euch aufs Volksfest zu begleiten“ sagte sie mit aufgesetztem Lächeln. Mit gefrorenem Lächeln starrte Hans sie an, dabei hätte er sie am Liebsten erwürgt.

 

Hans tauchte immer wieder gern in die Rummelplatzatmosphäre ein. Der Geruch nach gebrannten Mandeln, Bratwürsten und Steckerlfisch umfächelte die Nasen, die immer wieder gleiche alte Rockmusik wurde gespielt, vom Autoscooter her dröhnte der Summertime Blues von Eddie Cochran. Die bunten Lichter blitzten, die heiseren Stimmen der Losverkäufer und Budenbetreiber überschrien sich gegenseitig, die Drehorgelmusik brachte nostalgische Klänge hervor., das alles faszinierte ihn jedes Jahr aufs neue. Doch heute war ihm die Stimmung verdorben, aber er musste gute Miene zum bösen Spiel machen.

Seine Schwiegermutter war wie aufgekratzt, sie spendierte Bratwurst, Zuckerwatte, sogar ein Gläschen Wein wollte sie unbedingt bezahlen. Hans wusste nicht, wie ihm geschah. Aber er ahnte, das sie etwas im Schilde führte.

„Ach wartet, da drüben, das ist neu. Das wollen wir uns mal ansehen.“ Sie zog ihn am Arm und bugsierte ihn vor eine Bude, die beinahe nur aus verspiegelten Glaswänden bestand. Sie stand eingezwängt zwischen der Geisterbahn und einer Schießbude.

Er hörte das Kreischen der Mädchenstimmen aus der Geisterbahn.Über der Bude stand in blinkenden Neonbuchstaben.

 

„GRIMM – SIMULATOR“

 

Er las das Plakat, das eine Glaswand bedeckte.

 

Grimm Simulator, das neueste aus den USA

Werden sie der Held in ihrem Märchen

Befreien sie die Prinzessin

Töten sie den Drachen

Erleben sie eines der letzten Abenteuer

 

Hans bekam große Augen „das mache ich“ rief er und suchte nach dem Eingang.„Welches Märchen willst du denn?“ Lachte Linda.

„Das Märchen vom dummen August gibt’s wohl nicht?“ Ätzte seine Schwiegermutter und schaute ihn spöttisch an.

„Du könntest die Hexe aus Hänsel und Gretel spielen“ knurrte er ärgerlich zurück.

Dann betrachtete er den Automaten, den er jetzt erst bemerkt hatte und studierte die Anleitung. Hans warf eine Münze ein, eine bisher verborgene Tür glitt zur Seite und gab den Blick auf eine enge Kabine frei.

„Geh nur hinein“ lachte Linda „ich drücke die Kombination. Was willst du sein, das tapfere Schneiderlein, oder lieber der Prinz aus Schneewittchen?“

„Überraschung“ lachte er und betrat die enge Kabine. Die Tür schloss sich hinter ihm.

Die Schwiegermutter drängte sich vor den Automaten und gab eine Zahlenkombination ein, dabei überzog ein breites Grinsen ihr Gesicht.

„Du führst doch bestimmt was im Schilde Mutter“ nörgelte Linda „Lass endlich Hans in Ruhe.“ „Ach was“ rief ihre Mutter energisch. Sie warf ebenfalls eine Münze ein, und während die Tür aufglitt tippte sie eine Zahlenkombination ein. Dann verschwand sie mit lautem Lachen in der Kabine deren Tür sich ebenfalls hinter ihr schloss.

Plötzlich knisterte es im Automaten, Funken schlugen aus dem Kästchen und es roch verschmurgelt. Linda schrie auf und rief nach Hilfe.

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